Seit dem Sündenfall ist der Mensch dazu verdammt, seine Blöße zu bedecken und dass Amt und Autorität nicht ausreichen, um den Nackten in Würde zu kleiden, ist seit »Des Kaisers neue Kleider« auch offensichtlich. Kleider machen Leute und wer etwa (selbst-) darstellen will, greift besser zur Textilie, schon um die eigenen Mängel zu verhüllen. »Nobody is perfect«, da können modische Accessoires die Selbstoptimierung nur unterstützen.
Ob man zur Klamotte oder zur Haute Couture greift, ist letztlich eine Frage des Geschmacks und des Geldes. Der Mensch erfand die Mode, um sich in seiner Einzigartigkeit zu bestätigen. Dass tausend Andere ebenfalls ihre Unverwechselbarkeit mit dem gleichen Fummel betonen, ist der Preis dafür, dass die hemmungslose Ausbeutung der Näherinnen in den Sweatshops Asiens, Kleidung zur Massenware verkommen lässt. Elfriede Jelinek hat einen melancholisch-heiteren Text über die Faszination, die Mode von jeher auf den Menschen ausübt, geschrieben. Eine Liebeserklärung, aber auch eine bitterböse Analyse dessen, was die edlen Stoffe verdecken.

"Licht im Kasten" von Elfriede Jelinek

Freitag, 23.3.2018, 19:45 Uhr,

DT Göttingen


 

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